Über den Ort Amelsen

Verschlafenes "Klein Gallien" (Blick auf Amelsen vom Schieferberg)
Verschlafenes "Klein Gallien" (Blick auf Amelsen vom Schieferberg)

Alle aus unserer heimischen Region kennen den kleinen zu Dassel gehörenden Ort Amelsen. Er liegt an dem alten Verkehrsweg zwischen Einbeck und Lüthorst, mit dem Tieplatz, ursprünglich als Dorfmitte, auf den früher alle Höfe ausgerichtet waren.

 

Ein Ort, dessen Name zum ersten Mal 1345 urkundlich erwähnt wurde, und der schon vorher eine lange Geschichte schrieb. Die Einbecker Morgenpost fragte nach und hatte in Ortsbürgermeister Kurt Kues einen kompetenten Ansprechpartner, der über diesen 480-Seelenort berichtete.

 

Kurt Kues: „Das Dorf Amelsen liegt im nordöstlichen Teil des Kreises Einbeck an der Landesstraße, die östlich von Kohnsen von der Bundesstraße 3 abzweigt und in östlicher Richtung nach Stadtoldendorf führt. Mit seinem älteren Teil ist der Ort eingebettet in das Tal des kleinen Allerbaches am Südausgang der Wanne, wie die von Portenhagen her etwas nach Südosten streichende Talstrecke genannt wird. Im Norden steigt das Gelände leicht an bis zum Fuße des Kalksteinzuges der aus der Vardeilser Platte, dem Hülseberg, dem Taubennest dem

Birkenberg und dem Grepenberg gebildet ist. Südlich des Dorfes erheben sich bald die in das Ilmebecken eingelagerten Hügel des Schieferberges, des Mittel- und des Steinberges, die vorwiegend aus Ton- (Schiefer)gestein bestehen. Zwischen den Höhen im Norden und im Süden breitet sich die Wirtschaftsfläche von Amelsen aus. Nach Westen hin geht der Blick über die Fluren von Amelsen, Deitersen und Hunnesrück zu dem bewaldeten Kalksteinzug der Amtsberge und darüber hinaus bis zum großen Waldgebiet des Sollings.

 

Mit seiner Gemarkung gehört der Ort, der um das Jahr 1500 rund 120 Einwohner zählte, zum Ilmebecken, das auch als „Einbecker  Bürde“  bezeichnet wird. Die erste Besiedlung ist sicherlich schon lange vor Beginn unserer Zeitrechnung erfolgt.  Aus der älteren Steinzeit, der frühesten urgeschichtlichen Epoche, liegen jedoch keine Zeugnisse vor. Es schließt nicht aus, dass sich auch damals schon Menschen in diesem Raum zu längerem oder kürzerem Aufenthalt zur Verfolgung des Wildes oder zum Sammeln von Früchten niedergelassen hatten.“

 

Erst in dem folgenden Zeitabschnitt, der jüngeren Steinzeit (4.000 bis 2.000 vor Christus) ist die Anwesenheit des Menschen durch Funde erwiesen. Auf Amelser Gebiet zum Beispiel fand man beim Hofbesitzer Wilhelm Dücker unter dem Schratwege ein acht bis neun Zentimeter langes Beil. Auf dem selben Acker wurde 1899 ein noch größeres Steinbeil gefunden, ferner auch die Spitze einer Streitaxt. Das Eisen, das man ebenfalls fand, ist wahrscheinlich durch die Kelten, die um jene Zeit in der Gegend wohnten, ins Land gebracht. 

»Aus der Geschichte heraus be kannt « sagte Kues »wurden die Kelten um 600 vor Christi von den Germanen verdrängt, die fortan im Besitz des Landes geblieben sind. Von ihnen war es der Stamm der Cherusker, der um die Zeitwende das Gebiet von der Weser im Westen bis über die Oker hinaus im Osten bevölkerte. Außer der gefundenen Töpferware, deren Art sie zuweist, könnte auch vermutet werden, dass einige Berg- und Flussnamen wie zum Beispiel Hube, Hils, Ilme und Leine an ihre Zeit erinnern. Um 200  nach Christi drangen von Norden die Sachsen ein, ein starker germanischer Volksstamm. Sie eroberten fast das ganze Gebiet zwischen Harz und Weser, Ems und Unterelbe, das  später den einheitlichen Namen Sachsenland erhielt.

 

Um 1068 lebte hier der edle Ritter  „Kunhard von VaeIhusen“  der beim Grafen zu Dassel ein großes Ansehen genoss.

Wann ist denn nun der Ort Amelsen entstanden ? Kues: „Nachrichten und Urkunden über Gründung und Entstehung fehlen gänzlich. Doch geben der Ortsname und einige Flurnamen einen Anhaltspunkt, aus dem sich die ungefähre Entstehungszeit vermuten läßt. Amelsen gehört zu den zahlreichen Ortschaften dieser Gegend, deren Name die Endung „sen“ aufweist, das ist die Abkürzung von hus, husen gleich hausen. Das Grundwort husen bedeutet „ein persönliches Eigentum“ und führt in die etwa um 500 beginnende und bis in die Frankenzeit reichende Siedelbewegung zurück, deren Träger vornehmlich die Sachsen waren. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die hausen Orte schon vor Beginn des inneren Landaufbaues entstanden, weil sie nur inmitten oder am Rande qroßer Waldgebiete verbreitet sind.

So ist anzunehmen, dass auch Amelsen am Südrand der großen Waldung des Elfas und der davor  liegenden Berqe sich als Rodung entwickelte.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt, soweit bisher festgestellt werden konnte, aus dem Jahre 1345, unter den Regesten (Auszüge aus Urkunden) der Herren von Homburg im Urkundenbuch von Dürre, Staatsarchiv Hannover. Im Jahre 1877 waren im dicht gedrängten alten Dorfkrug - bis auf einige Ausnahmen —60 Hausstellen vezeichnet. Nach der Verkopplung im 19.Jahrhundert besserte sich die wirtschaftfiche Lage erheblich, und  auch der Lebensstandard der kleinen Leute hob sich. Es herrschten enge Wohnverhältnisse. Der alte Dorfkern hatte nicht genug Raum für neue Häuslinge, es gab keine Bauplätze und so gaben manche Familien ihre alten Wohnstellen im Dorf auf, siedelten aus oder errichteten außerhalb des Dorfkerns neue Wohnstätten.

1912 wurde durch Ortsstatut die Einrichtung einer ländlichen Fortbildungsschule beschlossen. Nach dem Statut, so steht es geschrieben, hatten sämtliche schulentlassene Jungen bis zum l8. Lebensjahr in die Schule zu gehen, sofern sie nicht den Besuch einer anderen gleichwertigen Schule nachweisen konnten. In den ersten Jahren wurde die Schule von 14 Schülern besucht, im Winterhalbjahr 1925/26 von 19 Schülern, n 1927/28 gingen die Schüler dann nach Avendshausen, da die Zahl  der Schüler nur vier betrug. In den Jahren 1930 his 1942/43 waren die hiesigen Fortbildungsschüler  in Lüthorst, und im Januar 1944  erfolgte die Anordnung durch den

Schulrat, dass der Fortbildungs-Schulunterricht jeweils vom Lehrer  in Amelsen, Lüthorst, Portenhagen, Hunnesrück und Vardeilsen übernommen wurde. Auch Ortsbürgerrneister Kurt Kues erinnert sich, dass durch den Zweiten Weltkrieg die Einwohnerzahl im Jahre 1943 auf über 600 anstieg und nach den Kriegswirren die Zahl durch Abwanderungen wieder fiel. Der Ort Amelsen zählte nun 480 Einwohner und lebte vorwiegend, von der Landwirtschaft. Hinzu kamen viele Handwerker, so zum Beispiel drei Schuhmacher und zwei Schmiedewerkstâtten,, drei Tischlereien,  Sattlerei und Polsterei und es gab zwei  Lebensmittelgeschäfte, sogar eine eigene Molkerei. Heute besitzt der Ort Amelsen Bäckerei und nur noch einige Handwerksbetriebe. Durch die Großindustrie hielt die Technik ihren Einzug: immer mehr der alten Betriebe rnußten schließen oder wanderten ab. Doch in den vergangenen fünf Jahren haben sich in Amelsen sechs neue Handels- beziehungsweise Handwerksbetriebe angesiedelt, berichtet Ortsbürgermeister Kurt Kues. Junge Familien erstellen neuen Wohnraum, so dass es in Amelsen keine Abwanderungstendenz gibt.

 

Die Ortsdurchfahrt wurde in diesem Jahr fertiggestellt, sowie die Bürgersteige an der Ortsdurchfahrt. In der Ortsmitte soll nun mit Hilfe des Fördervereins, der unter anderem bereits bei der Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses aktiv war, eine Bachverbreiterung. entstehen - einschließlich Wasserspielplatz. Auch das sportliche Angebot hat seit Jahren einen großen Stellenwert in Amelsen, - besonders die Jugend wird gefördert.

Folglich ist Ortsbürgermeister Kurt Kues überzeugt: „Unser Dorf soll schöner werden, unser Dorf hat Zukunft“ unser Aushängeschild ist der Förderverein, der für alle Belange des Ortes Amelsen aktiv ist.( pk)

Quelle: Einbecker Morgenpost vom 01.08.2005
Quelle: Einbecker Morgenpost vom 01.08.2005